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Danke an Anne Siewert für folgenden Bericht: Es war der 27. Juli 2005. Ort Straßkirchen bei Straubing. Der Tag war unerträglich schwül. Ich denke es war so etwas um die 35 Grad. Wir saßen im Pool, im Garten und der Himmel war eigentlich nicht besonders auffällig. Das ließ sich gut von der Luftmatratze aus beobachten. Ich bin ein alter Wetterfrosch und hab immer mal ein Auge auf den Himmel. Wir wohnen hier auf dem Land und da spielt das Wetter immer eine große Rolle. Die Bauern sind hier besonders gut informiert, sie planen der Zeit die Ernte und der Weizen und die Gerste sind schon überreif. Auf jeden Fall war es unerträglich schwül. Die Landmenschen fühlen so etwas "Werst scho seng, da kummt was - eps ganz bsonders - ram ois gut weg und schau gen west - do kimmt eps." So gegen 18:00 Uhr wurde der Himmel gegen Westen tatsächlich bleiern-grau und gegen 19:00 - naja da war er schon dunkelgrau - 19:45 Uhr war er vom schwarz nicht mehr weit weg. Ich beobachtete nicht mehr lange und räumte meinen Garten sammt Pool radikal leer. Ich dachte:"Naja wenigstens ist die Front nicht orange - das heißt Hagel - aber gut sieht es da nicht aus!" Um 19:50 wollte ich das Wetter im ARD ansehen - doch plötzlich war der Bildschirm blau und kein Empfang mehr da - und nicht nur im Ersten sondern auch auf allen anderen Kanälen. Bei mir gingen die Alarmglocken an. Das konnte nichts gutes verheißen. Und schon ging das ganze Spektakel los. Mein Sohn und ich saßen im 1. Stock am Balkonfenster und beobachteten die Umgebung. Zuerst ein paar Tröpfchen, dann kam der Wind. Der Sturm pfiff sich so richtig in Rage. Die Bäume bogen sich dem Brechen nahe und sieh da - Nachbars Gartenhausdach flog durch die Luft und auf das Feld - und da noch ein Metallstück - eine Taube flog an unserem Fenster vorbei. Sie gab irgendwann auf - der Sturm heulte auf. Jetzt hörten wir ein unheimliches pfeifen - immer lauter und langanhaltender - Blitze ohne Ende. Wir zählten an die 45 Stück in der Minute. Irgendwann hörten wir auf zu zählen - wir hoffen dass sie bei uns nicht einschlugen. Die Blitze suchte sich ihre Wege durch die Nacht und zischten an unserem Haus vorbei. Um 22:00 Uhr ein Anruf von meinem Mann:"Sagmal lebst du noch?" " Ähm ja - wieso". "Ich will ja nichts sagen - aber hier in Straubing ist der Teufel los. Fast alle Ausfallstraßen sind gesperrt - die B8 und die B20 auch. Überall liegen umgefallene Bäume, Strommasten und beschädigte Autos. Es kann später werden." Er brauchte 1 Stunde für den Heimweg von Straubing nach Straßkirchen (Normalzeit 20 Min). Später berichtete er dann dass Menschen in ihren Autos durch umfallende Bäume eingeklemmt wurden - sie mussten bis zu 30 Minuten warten bis die Rettungsdienste einen Weg zu ihnen fanden. In Straßencafés tobte der Krieg. Tische und Stühle flogen durch die Gegend - in Biergärten flogen die Biertische und Bänke um und klemmten die Besucher ein. Fensterscheiben gingen durch große herumfliegende Äste zu Bruch. Am nächsten Morgen ein Bild des Schreckens. Umgestürzte Bäume en Masse. Kräne hoben ganze Bäume aus Häuserdächern und die Stadtverwaltung war mit Aufräumarbeiten emsig beschäftigt. Häuserdächer wurden abgedeckt - eingestürzte Scheunen und niedergebügelte Felder. Eines muss man hier mal sagen, ich habe noch nie so fleißige Feuerwehren gesehen wie hier. Die Bundesstraße 8 war in der Nacht noch mit Bäumen und Blättern, Ästen und Sträuchern übersäht (dies erzählte mir mein Mann) - jetzt, am Morgen des darauffolgenden Tages, war sie wie leergefegt. Sie hatten die komplette Nacht durchgearbeitet, damit alle Ausfallstraßen und die Bundesstraßen wieder einwandfrei passierbar waren. Nur am Randstreifen sah man noch die Reste dieser Schreckensnacht. In dieser Nacht wurden 16 offizielle Verletzte gezählt. Doch viele holten garnicht den Notarzt, da dieser sowieso nicht durchgekommen wäre. Die Heftigkeit der Gewitterstürme ist schlimmer geworden. Und die Wetterextreme von kalt nach warm auch. Der Gäuboden hat hier sein eigenes Klima - aber auch er kommt diesen Wetterextremen mittlerweile nicht mehr aus. A. Siewert |
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