Staubteufel im Freibad Düsseldorf-Benrath

An einem der vielen schönen Tage im Sommer 1975, der besonders heiß und trocken war und in Norddeutschland verheerende Waldbrände brachte, lag ich mit meiner Schwester und meinem Vater auf der Liegewiese des Freibades Düsseldorf-Benrath. Wir waren müde vom Schwimmen und ruhten uns aus, bis unser Vater in aller Seelenruhe sagte: "Guckt mal da!", ganz so, als sei eigentlich gar nichts Besonderes zu sehen.

Zunächst bemerkte ich nur, dass in einiger Entfernung unter den unzähligen Badegästen eine gewisse Unruhe herrschte. Einige rannten aufgeregt umher, andere zeigten lebhaft kommunizierend in eine bestimmte Richtung. Doch plötzlich wurden zahllose Gegenstände wie von Geisterhand in die Höhe gerissen. Es waren Decken, Handtücher, ja sogar Beutel mit Proviant. Sie sausten nach oben und kreisten vermutlich in einer Höhe von ungefähr fünfzig Metern.

Wenige Sekunden später ertönte ein Ohren betäubendes Pfeifen. "Runter von der Decke!", sagte mein Vater nun etwas hektischer. Dann packte er unsere ganzen Sachen darauf, klappte die Ecken zur Mitte und umfasste den "Berg" mit seinen Armen. So gut wir es als Kinder konnten, unterstützen wir ihn. Derweil flogen auf der Terrasse des Freibad-Restaurants reihenweise Stühle, Tische und Sonnenschirme um. Inzwischen war auch mir mit meinen elf Jahren klar geworden, dass wir soeben Augenzeugen eines "Staubteufels" wurden. Das ist ein Luftgebilde, das einem schwachen Tornado ähnelt, jedoch nicht an eine Gewitterwolke gebunden ist. Ein wirklich eigenartiges Erlebnis!

Diese "Trombe", wie Meteorologen sie auch nennen, zog nun weiter und überquerte dabei das Nichtschwimmerbecken. Ich sehe noch heute, ein Vierteljahrhundert später, glasklar ein kleines weinendes Mädchen vor Augen, an dem dieses "Gespenst" nur wenige Meter vorbei zog. Dabei spritzte enorm viel Wasser auf.

Schließlich kam dieses unheimliche Etwas, das nur aus Luft besteht, uns recht nahe, und wir spürten einen gewaltigen Sog. Um uns herum flogen die Decken, Kleidungsstücke und andere Gegenstände derer, die zu diesem Zeitpunkt nicht an ihrem Liegeplatz waren. Einiges davon wurde noch mit nach oben gerissen. Schließlich brach der Luftschlauch knapp neben der nahe gelegenen Bundesstraße 8 zusammen. Zum Glück fiel der ganze Plunder noch auf die Liegewiese. So hatten die Eigentümer es relativ leicht, ihre Sachen wieder zu bekommen, und der Autoverkehr wurde nicht gefährdet.

Dieses ungewöhnliche Erlebnis veranlasste geschätzte 90% der Freibadbesucher, sich ganz schnell auf den Heimweg zu machen. Viele waren schockiert, und manch einer befürchtete, dies müsse wohl der Vorgeschmack auf ein schlimmes Unwetter gewesen sein. Doch was steckte wirklich hinter diesem Wirbelsturm? Eine Kaltfront jedenfalls nicht. Es blieb den Rest den Tages über sonnig und heiß. Und gerade in der intensiven Sonneneinstrahlung lag wohl die Ursache: Sie hatte den frisch asphaltierten und daher dunkelschwarzen Schulhof des nahe gelegenen Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums stark aufgeheizt. Die energiegeladene Luft war aufgestiegen und hatte die vergleichsweise kühle Luft über den Liegewiesen und Wasserflächen angesaugt. Wegen des Schulgebäudes und der benachbarten Turnhalle war dies die einzige Richtung, aus der Luft nachströmen konnte, so dass der durch die Hitze erzeugte Unterdruck noch verstärkt wurde. Ein solcher Prozess kann sich selbst beschleunigen. Dann entsteht der gefürchtete Luftschlauch mit Staubsaugereffekt.

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