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Der Wetterexperte Matthias Habel machte sich ein Bild von dem Tornado-Unwetter, das am 10. Juni 2003 den Ort Acht in der Eifel mit besonderer Gewalt getroffen hat: Der Ort Acht liegt in einer Kessellage und ist von relativ hohen Bergen komplett umgeben. Der Tornado hat den Ort von Westen kommend erreicht und dann in einer eng begrenzten Schneise durchquert, die zum östlichen Ortsrand nach Ost-Nord-Ost leicht abbiegt. Zur Veranschaulichung hier die Karte, die ich dazu erstellt habe: ![]() Das Ereignis begann nach übereinstimmenden Aussagen mehrerer von mir befragter Augenzeugen (Einwohner des Ortes) am Abend des 10.06.2003 etwa gegen 18.45 Uhr. Zuvor hatte sich der Himmel bereits verfinstert und die Bewohner befürchteten bereits ein normales Gewitter. Innerhalb kurzer Zeit sei es dann finster wie die Nacht geworden, und es habe sehr heftiger Regen eingesetzt. Wiederum kurze Zeit später (gegen 18.50 Uhr) beobachtete ein Einwohner, dass sich am westlichen Ortsrand die Bäume gebogen hätten, wie er es noch nie gesehen habe. Sekunden später seien bereits Eternitplatten als Ganzes durch die Luft gewirbelt worden. Der Augenzeuge selber hat mehrfach in seiner Aussage mir gegenüber kreisende Bewegungen erkennen können. Von einer Fichte auf seinem Grundstück wurden lange Äste abgerissen und in einer Kreisbewegung in den Himmel gezogen. Anschließend sei bereits Feuer in der Luft gewesen durch umher fliegende Stromkabel des örtlichen Energieversorgers, im gleichen Augenblick seien auch die Straßenlampen ausgegangen und der komplette Strom ausgefallen. Anschließend sagte der Mann noch, dass viele Anwohner, mit denen er schon gesprochen habe, in den Keller geflohen seien und sagte wörtlich: "Das kann keiner verstehen, wie das hier aussieht!". Auf die Frage nach der Dauer des eigentlichen Luftwirbels antwortete er, dass es nicht länger als zwei Minuten gewesen seien, dann sei der Wind Richtung Langenfeld abgezogen. Außerdem sagte er, bevor man es aufgefasst habe, was passiert, sei es schon vorbei gewesen. Ein weiterer Augenzeuge berichtete, dass es im Anschluss an den Tornado etwa 5 Minuten sehr starke Kiesel geregnet habe. Auf meine Nachfrage, ob er Hagel meine, antwortete er mit ja und gab die Größe der Hagelkörner mit mindestens daumennagelgroß an. Die Aussagen aller von mir befragten Augenzeugen geben die Dauer des eigentlichen Wirbels mit etwa zwei bis maximal vier Minuten an (wobei viele meinten, dass sie die Zeit bestimmt falsch einschätzen würden). Der Wirbel sei trotz der Dunkelheit deutlich erkennbar gewesen und habe eine schwarz-gräuliche Farbe gehabt. Ebenfalls von mehreren unabhängig voneinander befragten Augenzeugen erhielt ich die Auskunft, dass der Wirbel von zwei Seiten gekommen sei. Über dem Ort seien die Wirbel aufeinander gestoßen und dann hätte es nur noch "kriminell gekracht" und ganze Bäume seien samt Wurzel durch die Luft geflogen (diese Aussage kann ich bestätigen, da an einigen Stellen entwurzelte Bäume lagen, aber für mich nicht erkennbar war, woher dieser Baum stammte bzw. teilweise doch einige Meter von der ehemaligen Wuchsstelle entfernt lagen). Ein Zeuge erwähnte mir gegenüber, dass sich die Bäume in der Luft gegen den Uhrzeigersinn gedreht hätten, von weiteren Augenzeugen wurde diese Aussage jedoch weder bestätigt, noch überhaupt getätigt. |
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Komme ich nun zu den Schäden, die mir vor Ort an Bäumen und Vegetation
aufgefallen sind: Am Ostrand des Ortes wurde ein zusammenhängendes Waldgebiet an einem nach Westen exponierten Hang etwa auf einer Länge von 200 m - 300 m und einer Breite am Hang von etwa 50 m bis (maximal) 100 m komplett verwüstet. |
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Die Bäume (vorwiegend Nadelgehölze, aber auch einige Laubbäume) wurden sowohl komplett entwurzelt als auch am Stamm abgebrochen. Der Anteil ist schwer zu schätzen, aber rein nach Augenmaß würde ich sagen, dass etwa 20% der Bäume entwurzelt und 80% abgebrochen bzw. abgerissen bzw. abgedreht wurden. Der "Knickpunkt" ist dabei sehr uneinheitlich, lag jedoch bei einem Großteil in der oberen Hälfte des Stammes. |
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Am unteren Rand dieses Waldstückes standen einige Laubbäume
(Birken, Apfelbaum, Haselnuss, Buche, Eiche), die ebenfalls abgerissen bzw.
entwurzelt wurden. Imposant war besonders die komplett entwurzelte Eiche, deren
Stammdicke doch auf ein erhebliches Alter schließen lässt. Längs des Weges, der
bis zu dieser Stelle noch einigermaßen begehbar war, lag ein etwa 12 Schritt
langes Fragment einer Fichte, das sowohl am oberen als auch am unteren Ende
abgerissen war. Bemerkenswert ist, dass an dieser Stelle keinerlei
Fichtenbewuchs in nächster Nähe auszumachen war, der eigentliche Bereich mit
Fichtenbewuchs fing etwa 10 bis 15 Meter oberhalb an. Der gesamte Bereich in diesem Wald ist durchsetzt mit Trümmerstücken aus dem Ort (ich habe dies durch ein Fernglas gesehen) darunter einzelne Dachziegel, Wellbleche und Eternit- Platten sowie Plastikfolien. Im Ort selber wurden zahlreiche Bäume entwurzelt und auch abgerissen bzw. abgedreht. Ein Augenzeuge berichtete, dass ganze Bäume mit Wurzeln durch die Luft geflogen seien. Auf einigen Dächern sah ich auch noch größere Stücke von Ästen liegen. Im Bereich des Tennisplatzes beobachtete ein Augenzeuge, wie mehrere sehr dicke Eichen und Eschen "aus dem Boden gezogen" wurden und sich dann gegen den Uhrzeigersinn in der Luft "trillerten", bevor sie auf den Boden krachten. In diesem Bereich befindet sich auch ein Gerätehaus, dessen Dach als ganzes angehoben und etwa 3 - 4 m weiter wieder abgesetzt wurde. |
Komme ich nun zu den Gebäudeschäden:
In der Karte oben habe ich dargestellt, an welchen Gebäuden leichte
Teilschäden, schwere Teilschäden und Totalschäden auftraten. Der
offensichtlichste Teil der Schäden war an der Bedachung auszumachen, welche an
einigen Häusern komplett abgerissen wurde incl. des Dachgebälks. Die
beschädigten Dächer waren zum überwiegenden Teil mit herkömmlichen Ziegeln
gedeckt, einige wenige Dächer auch mit Eternit-Platten. Ein Anwohner berichtet,
dass die Eternit-Bedachung seines Hauses komplett verschwunden sei, er habe
nicht eine Platte bislang wieder gefunden.![]() An einigen Häusern waren deutliche Schäden an der Bausubstanz erkennbar, in Form von Rissen und geneigten Wänden, die nach Aussage der Besitzer vorher gerade waren. Ein Haus wurde bereits in der Nacht behelfsmäßig abgestützt, da es akut Einsturz gefährdet ist. Dieses Haus machte ansonsten einen sehr stabilen Eindruck, es ist aus Natursteinen bzw. Bruchsteinen gebaut, die mit Mörtel / Zement verbunden sind. Es lag genau im Zentrum der von mir vermuteten Zugschneise des Tornados im Ortsmittelpunkt, etwa an der Stelle, wo sich die "zwei Wirbel" getroffen hätten. ![]() An einem weiteren Haus am östlichen Ortsrand war ein Nebengebäude, welches als Abstellscheune genutzt wird, komplett eingestürzt. Eine Nachfrage durch mich ergab, dass das Gebäude vor 58 Jahren gebaut wurde und anschließend noch erweitert wurde. Es war komplett aus Industrie-Stein gemauert und mit Mörtel bzw. Zement verbunden. An diesem Haus konnte man auch erhebliche Splitterwirkung am Dachgebälk sehen. Die Bewohner des Hauses neben der eingestürzten Scheune sagten mir gegenüber aus, dass sie in der Wohnung Schutz gesucht hätten. Plötzlich seien die Scheiben nach innen gedrückt worden und zersprungen. Einen Augenblick später habe es einen Luftsog gegeben, der eine selbst eingezogene Holzwand (welche stabil mit Metallwinkeln und Schrauben/Dübel befestigt war) etwa 5 - 10 cm nach außen (in die Gegenrichtung des ersten Windstoßes, der die Scheiben bersten ließ) gezogen habe. Ich habe mir diesen Schaden im Haus selber angesehen und kann dies so bestätigen. |
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Ebenfalls im Bereich dieses Hauses wurde ein Garagentor "mehrfach wie ein Windrad um die eigene Achse gedreht" und kam falsch herum schließlich zum stehen. Im Mauerwerk des Hauses sind zahlreiche Risse zu erkennen, die vorher nicht da waren, die Wände sind komplett verzogen, das zweite, nicht gewirbelte, Garagentor lässt sich nicht mehr schließen, der Bewohner meinte, dass dies komplett abgerissen werden müsse. |
| Es wurde mir ebenfalls berichtet, dass Blechpfannen noch im 1 km entfernten Langenfeld gefunden worden seien. Diese Aussage konnte ich jedoch sonst von niemand bestätigt bekommen. |
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An manchen Häusern sind auch komplette Dachstühle abgerissen worden und
wurden "kreiselnd durch die Luft geworfen", bevor sie krachend auf dem Boden
aufschlugen und zerstört waren.
An mehreren weiteren Häusern waren deutliche Schäden im Mauerwerk zu sehen, was bis hin zu fehlenden Mauersteinen im Giebelbereich reichte. |
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Zahlreiche Fenster, Fensterläden und Jalousien wurden von umher fliegenden Trümmern zerstört, einige Fensterläden abgerissen. An einem Haus im Westen des Ortes war der Kamin abgeknickt, ansonsten wies das Haus aber keine Schäden auf. |
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Fazit:
Anhand der vor Ort gemachten Beobachtungen würde ich persönlich (und ich
betone, dass ich auf diesem speziellen Gebiet über kein Fachwissen verfüge) auf
einen oder zwei Tornado(s) der Intensität minimum F2 tippen, wahrscheinlicher halte
ich aufgrund der offensichtlichen Gebäudeschäden sowie der Aussage von durch
die Luft fliegenden, ausgewachsenen Bäumen die Einstufung in die Kategorie F3. An zahlreichen stabil und massiv gebauten Häusern waren deutliche Schäden an Dachstuhl und auch Mauerwerk zu erkennen, zwei Häuser in unterschiedlichen Ortsbereichen sind eingestürzt. Ebenso wurde ein zusammenhängendes Waldgebiet komplett umgelegt. Matthias Habel, Bonn |
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