Enorme Unwetterschäden im Großraum Bad Tölz
Ich bin noch ein bisschen schockiert von dem, was ich gesehen habe:
Heimfahrt:
An der B13 zwischen Holzkirchen und Tölz sind ganze Wälder verschwunden.
Ich ließ das Auto stehen und ging zu Fuß durch die völlig zerstörte Landschaft.
Es lag massenweise Laub auf den Straßen. Über den Eisflächen auf den Wiesen
bildete sich Nebel mit Sichtweiten unter 20 Meter.
Als ich nach einigen Kilometern an die Straßensperre kam, wurde diese gerade aufgehoben,
und ein Brummifahrer nahm mich mit.
Ich ging heim und blieb stehen. Ich konnte es nicht glauben. Die Bäume waren kahl,
das Laub lag zerfetzt am Boden.
Langsam ging ich die Straße runter. Eine ältere
Dame war in ihrem Garten und schaute mich mit Tränen in den Augen an und sagte nichts.
Alle Blumen waren weg. Bis zum Dach rauf klebte zerfetztes Gras. Ich ging ums Haus und
schaute die vielen Gärten an. Wir machen in unserer Nachbarschaft eine Art "Wettgärtnern".
Ich hatte ein Blumenparadies mit meterhohen Blütenprachten. Es ist nichts mehr da. Vereinzelte
Stängel von Sonnenblumen hängen geknickt über dem zerfetzten Gras. Ein Eimer wurde
in viele Stücke zerfetzt, meine Wetterstation ist Vergangenheit.
Ein Nachbar fuhr mich später zu meinem stehen gelassenen Auto. Ich suchte gleich einen
Freund im Nachbarort auf, der eine Gärtnerei hat (besser: hatte). Auf dem Weg dorthin
passierte ich eine Laubwaldschneise. Es war wie im November. Die Bäume kahl, Nebel,
Eis auf den Wiesen und Eishaufen durch die Schneepflüge. Es sind alle Bäume kahl!
Sämtliche Wiesen, die noch nicht gemäht waren, haben die gleiche Höhe wie gemähte Wiesen.
In dem Ort waren die Westseiten der Häuser
vielfach zerstört: Fenster waren eingeschlagen, Holz- und Plastikrolläden ebenfalls,
an den Tankstellen waren sämtliche Leuchtschriften "entfernt". Alle Menschen räumten und
verklebten ihre kaputten Scheiben.
Als ich an der Gärtnerei ankam, sah ich eigentlich nur
noch Scherben. Von den Pflanzen in den Gewächshäusern ist nichts mehr übrig.
Hier sieht es aus wie nach einem Krieg, den kein Mensch hätte gewinnen können! Metall ist
zerbogen als wäre es Gummi, Wälder sind weg oder entlaubt, es gibt keine Blumen mehr,
Schilder sind umgeknickt, Alleen gehören der Vergangenheit an.
Das muss eine Art Tornado gewesen sein. Lothar war mit seinen knapp 200 Kilometern
pro Stunde am 26.12.1999 dagegen ein laues Lüftchen, das den ein oder anderen Baum
umgeschmissen hat. Und die Nadelbäume haben zu jeder Jahreszeit gleich viel Laub.
(Anmerkung der Redaktion: Damit ist gemeint, dass der Vergleich anhand der Zahl umgestürzter
Nadelbäume recht objektiv ist, da sie im Unterschied zu Laubbäumen dem Wind zu jeder
Jahreszeit gleich viel Widerstand bieten. Genaue Untersuchungen der Folgen der schweren Unwetterkatastrophe,
die Kai Zorn uns netterweise geschildert hat, führten später zu dem Ergebnis, dass hier neben
extremem Hagel auch ein F3-Tornado gewütet hat, mit Windgeschwindigkeiten bis rund 330Km/h!).
Meinen morgigen Dienst habe ich abgesagt. Ich werde bei den Aufräumarbeiten helfen.
Es gibt viel zu tun. Bei aller Liebe zum Wetter - das war zu viel!
Eingesandt von Kai Zorn, Antenne Bayern, am 3. August 2001
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