Sturmerfahrungen von Lesern
Eine Orkanserie, die man nie vergißt!

Der Winter 1989/90 war eigentlich gar keiner! Schnee gab es nach meiner Erinnerung nicht, und es war nicht nur mild, sondern zeitweise richtig warm. So unglaublich es klingt, aber im Februar gab es sogar einen Tag, an dem wir bei plus 21 Grad Celsius und strahlendem Sonnenschein im Garten saßen!

Doch der Winter fiel noch auf ganz andere Weise auf: Er brachte eine ganz außergewöhnliche Orkanserie, die man wohl als Jahrtausendereignis einstufen muss! In der Zeit zwischen Mitte und Ende Februar 1990 zogen mindestens fünf schwere Orkane über Deutschland und Europa, teilweise im Abstand von nur 24 Stunden!

Damals habe ich mich an einer Fahrgemeinschaft beteiligt. Mit meinem alten Golf musste ich durch bewaldetes Gebiet fahren, um zu meinen Kollegen zu kommen, und ich hatte wirklich Angst, denn die Bäume wurden wild hin und her geschaukelt, und manchmal kam es mir so vor, als würde mein Wagen seitlich geschubst. Es war sogar nicht leicht, auf der Spur zu bleiben. So etwas habe nie zuvor oder danach erlebt, und ich war jedes Mal erleichtert, wenn ich in den schweren BMW meines Kollegen umgestiegen war, mit dem wir dann über Straßen weiterfuhren, die kaum von Bäumen gesäumt waren.

Dann kam - zumindest für die Rheinländer - der Höhepunkt dieser höchst aktiven Wetterphase: Am 28. Februar 1990 feierten wir den Geburtstag unserer Mutter. Meine Tochter war damals zwei Jahre alt, und natürlich kommt irgendwann der Moment, an dem es einem Kind zwischen den ganzen Erwachsenen langweilig wird. "Ich geh mal mit der Kleinen spazieren!", sagte ich, und hielt die Idee für gut. "Bist du wahnsinnig? Du kannst doch jetzt nicht rausgehen!", antwortete meine Mutter. Und nun erst wurde mir bewußt, was ich vorher gar nicht wahrgenommen hatte: Draußen tobte ein so heftiger Orkan, dass es tatsächlich ein Risiko war, rauszugehen! Es war nur noch vom Zufall abhängig, ob man sich gerade dort aufhielt, wo Dachpfannen, Äste und andere Gegenstände umherflogen.

Und dennoch: In der Nacht legte der Sturm noch einmal zu! Für das Rheinland äußerst ungewöhnlich: Es gab Spitzenböen zwischen 150 und 160 km/h ! Mit meiner Frau und unserem Kind wohnte ich damals in einer kleinen Dachwohnung. Mitten in der Nacht wurden wir schlagartig wach und sprangen geradezu panisch aus den Betten. Es gab brüllenden Lärm, und das gesamte Dach zitterte heftig. Wir hatten wirklich das Gefühl, es würde jeden Moment abheben! Dann folgte ein ungeheures Poltern, und es waren Stoßwellen zu spüren.

Am Morgen sahen wir die Ursache: Eine gewaltige Böe hatte eine schwere Betonplatte aus der Verankerung gerissen, die den Kamin des Nachbarhauses abdeckte. Diese war über unser Dach gekullert und hatte zahlreiche Pfannen zerschlagen. Mit enormer Wucht prallte sie dann auf einen hölzernen Sandkasten und zerfetzte ihn. Glück im Unglück: Es geschah wenige Tage vor dem Aufbau einer Terrassenüberdachung aus schweren Glasplatten. Ein Schaden von mehreren Tausend Mark blieb den Hausbesitzern so erspart.

Der Orkan hatte sich inzwischen gelegt. Wir wollten nach Düsseldorf-Benrath fahren, um im dortigen Schloßpark spazieren zu gehen. Die Straße dorthin führt durch ein Waldstück. Sie war von unzähligen umgestürzten Bäumen übersät und für mehrere Tage gesperrt. Als wir nach einem Umweg im Schloßpark ankamen, waren wir entsetzt: Zahllose Bäume, die zum Teil über zweihundert Jahre alt und mehr als dreißig Meter hoch waren, lagen am Boden und hatten in dem einst so wunderschönen Wald des Parkes große Lichtungen hinterlassen. Es gibt schöne Dinge, die man mit keinem Geld der Welt kaufen kann. Uralte Bäume zählen für mich dazu!

Eingesandt aus Monheim am Rhein am 15. Oktober 2001

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