Überraschendes, schweres Unwetter aus Osten
11. Mai 1981, vormittags: Meine Mutter steht mit einem Nachbarn vor der Haustür.
Die beiden unterhalten sich über das Wetter, als ich dazu komme. "Stimmt doch, oder?", fragt meine Mutter mich,
"Wenn der Luftdruck hoch ist, gibt es schönes Wetter, und wenn der Luftdruck niedrig ist, gibt es
schlechtes Wetter!". "Ja, meistens", sage ich, "aber es gibt auch Ausnahmen! Eine ganz besondere
erleben wir heute!".
Das Frühjahr hatte sich mit schönem und warmem Wetter sehr schwer getan. Nun endlich, am 11. Mai,
war es 27 Grad und sonnig. Aber der Luftdruck gab beinahe Rätsel auf: Er war wirklich rekordverdächtig
niedrig! Trotzdem dieses schöne Wetter. Das Einzige, was mir auf meinem Weg in das nahe gelegene
Einkaufszentrum auffiel, war, dass der Himmel nicht so richtig blau war. Er wirkte irgendwie
blass, fast weiß, und Richtung Osten war bei genauem Hinsehen eine leise Ahnung von aufsteigenden
Wolken zu erkennen. Nur ganz schwache Konturen, nichts Spektakuläres.
Bis zum frühen Abend blieb das Wetter schön. Gegen 20 Uhr aber wurde es im Osten grau. Nun zeigten
sich auch deutliche Konturen: Offenbar waren verbreitet starke Quellwolken auf ihrem Weg nach
oben gegen ein Hindernis geprallt und mussten sich nun in die Breite ausdehnen. Da hatte sich
ein gigantischer Amboss gebildet! Ich wusste, was das bedeutete: Dort, östlich von uns, über
dem Bergischen Land, tobten in der Höhe gewaltige Kräfte! Ich habe mich schon immer sehr für das
Wetter interessiert, und mir war klar, dass ein markantes Tief über Italien und die Ausbildung
eines so gewaltigen Clusters über dem Bergischen Land zu einer Westausdehnung der Gewitter
führen können. Alle paar Jahrzehnte kommt es dadurch bei uns zu den besonders heftigen
"Ost-Unwettern".
Der Himmel wurde allmählich immer dunkler, und schließlich beinahe schwarz, mit schmutzig-gelben
Anteilen. Vermehrt konnte man dumpfes Donnergrollen wahrnehmen. Man fühlte förmlich die Energie,
die in diesem Gebilde steckte. Dann ging es los: Erst mässiger Regen, dann eigentlich mehr
ein Wasserfall. Dazu jede Sekunde ein Blitz! Es tobte wie wild, und zwischendurch war auch
bemerkenswert großer Hagel dabei!
Als das Unwetter ungefähr eine Stunde im Gange war, der Hammer: Im Südosten konnte ich ein
unbeschriebliches Etwas vorbeiziehen sehen: So eine Art Knäuel aus Blitzen! Da konnte man gar
nichts mehr zählen, es flackerte einfach nur noch! Vergleichbares habe ich davor oder danach
niemals gesehen!
Nach ungefähr zwei Stunden war alles vorbei. Ich ging mit meinen Eltern auf den Balkon,
und wir amüsierten uns über Nachbarn aus dem Haus gegenüber, die wir nicht leiden konnten.
Sie waren gerade dabei, mit Eimern Wassermassen aus ihrem Keller zu holen.
Doch die Schadenfreude währte nicht lange: Der Mieter unter uns klingelte heftig und begrüßte
uns mit den Worten: "Mensch, wo bleibt Ihr denn?". Zehn Minuten später schippten wir selber
Wasser, dass mehr als dreißig Zentimeter hoch in unserem Keller stand!
Irgendwann kamen wir auf die Idee, dass es bei Oma genauso aussehen könnte wie bei uns, und sie
hätte vermutlich niemanden, der ihr helfen könnte. Also versuchte ich mit meinem Vater, zu ihr
zu fahren. Wir mussten durch eine Unterführung am S-Bahnhof Garath. Doch diese war voll gesperrt,
weil ein halber Meter Wasser darin stand! Das hat es hier noch nie gegeben! Überhaupt war das
Unwetter vom 11. Mai 1981 das schwerste, das ich je erlebt habe. Laut Tagesschau hat es den
gesamten Großraum Aachen-Köln-Bonn betroffen, und teilweise wurden sogar Gullideckel von
den Wassermassen nach oben gedrückt!
Eingesandt aus Düsseldorf-Garath am 25.10.2001
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