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Auf der A46 eingeschneit So schnell werde ich ihn nicht vergessen, den 15. Februar 1991! Damals arbeitete ich in Düsseldorf-Seestern, wohnte allerdings in Remscheid. Eine nette Fahrerei ist das, Morgen für Morgen und Abend für Abend. Da muss man früh raus, und abends ist man erst spät zu Hause. Wenn aber die Wetterverhältnisse so sind, wie an jenem berüchtigten Wintertag vor über zehn Jahren, dann kann es sogar sein, dass man es am selben Kalendertag überhaupt nicht bis nach Hause schafft! Mittags setzte Schneefall ein. Manche Kollegen freuten sich wie die Kinder, denn ein Jahr zuvor war der Winter komplett ausgefallen, und im Rheinland ist man sowieso nicht gerade mit Schnee verwöhnt. Wenn dann mal alles weiß ist, warten bei Vielen schon die Kleinen daheim und freuen sich darauf, mit dem Schlitten gezogen zu werden, einen Schneemann zu bauen oder eine Schneeballschlacht zu machen. Auch einen schönen Abendspaziergang im frischen Schnee weiß man zu schätzen, wenn man es viel zu selten erlebt. Alles wirkt so still, gedämpft und friedlich. Doch diesmal schien der Winter ein besonders großes Nachholbedürfnis zu haben: Es schneite immer stärker, und irgendwann war es ein richtig heftiges Schneegestöber, bei ziemlich kräftigem Wind. Nachdem es einige Stunden lang so durchgeschneit hatte, sah man kein Auto mehr auf den Straßen, und ich weiß noch, wie wir uns über einen einsamen Radfahrer amüsierten, der sich im Schritttempo vorwärts kämpfte. Gerade noch war er zu erkennen, denn die Sicht war deutlich herabgesetzt. Zehn Zentimeter Neuschnee mochten inzwischen liegen, und der starke Niederschlag hielt unvermindert an. Da kam unser Chef mit einer reichlich späten aber nicht unklugen Entscheidung: "Wer mit dem Auto da ist, darf jetzt nach Hause fahren, damit er pünktlich ankommt!". Es war zwei Stunden vor Feierabend. Vielleicht würde es tatsächlich reichen, und ich könnte wie gewohnt zu meinem Sport - dachte ich ... . Ich fuhr also los und kam im Schneckentempo bis zur Autobahn 46 von Düsseldorf nach Wuppertal. Der Verkehr kroch so langsam, dass man problemlos hätte nebenherspazieren können - bis kurz vor Haan. Dort geht es leicht bergauf. Einige LKW stellten sich quer, und einige PKW mit Sommerreifen ebenfalls. Nun war es aus! Totaler Stillstand! Niemand ahnte wohl, wie dicht sämtliche Auffahrten, Abfahrten und Nebenstraßen inzwischen waren, und dass der Winterräumdienst gar keine Chance mehr hatte, seine Arbeit zu machen. Nichts ging mehr, und so blieben Hunderte von Pendlern stehen, stundenlang. Dummerweise kurz vor dem Handy-Zeitalter. Die Angehörigen konnte man also nicht anrufen. Und es war verdammt kalt! Also die ganze Zeit den Wagen und die Heizung anlassen? Mit dem Gedanken tat ich mich schwer. Einfach so da stehen und die Luft verpesten ... . Kurz vor Mitternacht ging es mir ziemlich elend. Ich war müde, hatte wahnsinnigen Hunger und Durst, und ich musste mal ganz dringend. Wenigstens diesbezüglich konnte ich mir helfen. In einer Situation, in der eine kleine Ewigkeit lang gar nichts mehr geht, kann man ruhig auch mal etwas tun, was sonst absolut tabu ist: Sein Auto auf einer Autobahn allein lassen. Ich kletterte über die Leitplanke und ging ein Weilchen durch den schätzungsweise 15 bis 20 Zentimeter hohen Schnee. Schließlich fand ich eine Stelle, von der aus mich nicht alle sehen konnten, und verschaffte mir Erleichterung. Mann, ging es mir anschließend besser! Zurück an meinem Auto traf ich einen Mitarbeiter des Roten Kreuzes. Irgendwie hatten er und seine Kollegen es geschafft, sich bis hierher durchzukämpfen. Sie boten uns Decken und Tee an, und es ist kaum zu beschreiben, wie sehr man eine solche Geste in einer so unangenehmen Lage zu schätzen weiß! Noch eine ganze Weile hingen wir fest. Immerhin ergaben sich einige nette Gespräche, und das ist wirklich viel viel schöner, als wenn jeder für sich in seiner fahrbaren Kabine leidet! Gegend drei Uhr Morgens ging es endlich wieder weiter, und ich kam völlig erschöpft zu Hause an. Meine Familie war sehr erleichtert! Eines hat mich dieser Tag gelehrt: Ich führe nun in meinem Auto immer ein "Notpaket" mit. Darin sind vor allem Nahrungsmittel wie Schokolade und Kekse, Getränkedosen, warme Kleidung und eine Decke. Alles was essbar oder trinkbar ist, wird regelmässig ausgetauscht. Bei uns ist es sicher verdammt selten, dass man wegen des Wetters irgendwo über viele Stunden festhängt, aber es kann passieren, und ich bin darauf nun viel besser vorbereitet! Eingesandt aus Remscheid am 1.11.2001 |
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