<< Ein Augenzeugenbericht

Hagelkatastrophe in München und Umgebung am 12. Juli 1984

An durchschnittlich 50 Tagen pro Jahr gibt es in München Gewitter. Für eine deutsche Stadt ist dies eine hohe Zahl. Etwa jedes zehnte Gewitter bringt Hagel mit sich - ebenfalls ein hoher Wert.

Hin und wieder erreicht dieser Hagel eine Größe und Ausbreitung, die für die Millionenstadt und ihre Einwohner gefährlich werden kann. So war es zum Beispiel am 21. September 1936, und in ganz besonders hohem Maße am 12. Juli 1984. An diesem Tag gab es nämlich in und um München das wohl berühmteste deutsche Unwetter.

Die Woche davor war in Deutschland sonnig und heiß, was im kühlen und unfreundlichen Sommer 1984 etwas Besonderes war. In München wurden während dieser Hitzewelle bis zu 37 Grad erreicht.

Am 11. Juli erreichte dann eine kräftige Kaltfront Deutschland. Im Westen des Landes führte sie - wie zuvor schon in Frankreich, ganz besonders in den Vogesen - zu heftigen Unwettern mit Orkanböen, Überschwemmungen und sogar Tornados!

Schließlich ging ihr die Puste aus, und in München kam lediglich kühlere, allerdings auch recht feuchte, Luft an. Gewitter gab es keine, nicht einmal Schauer. Am nächsten Morgen war es klar, und man genoss, dass die ganz große Hitze vorbei war. Bis gegen 17 Uhr deutete nichts darauf hin, dass es Gewitter geben könnte.

Doch die Luft wies nun eine unter bestimmten Umständen riskante Schichtung auf: Vom Boden bis in 2200m Höhe war sie zwar nicht allzu warm, jedoch sehr feucht. Darüber lag tropische Warmluft. Noch höher kühlte es derweil stark ab.

Unterdessen näherte sich von Westen ein nur in der Höhe ausgeprägtes Tief, wodurch der Luftdruck zu fallen begann. Dies bedeutet tendenziell, dass am Boden liegende Luft leichter Aufsteigen kann. Die kräftige Sonneneinstrahlung und die hohe Luftfeuchtigkeit förderten und beschleunigten diese Tendenz rasch. Schließlich kam es zur Ausbildung von enorm kräftigen und sich sehr schnell entwickelnden Quellwolken.

Darin gab es ein immer heftiger werdendes Auf und Ab zwischen feuchtwarmer und trockenkalter Luft: Beste Bedingungen für die Entstehung von Hagel! Der erste fiel dann auch gegen 18Uhr über Ravensburg. Er war noch recht harmlos.

Das System intensivierte sich immer weiter und zog dabei nach Nordosten. Der Hagel wurde größer und heftiger, und gegen 19Uhr verursachte er bereits große Schäden an Autos und Gebäuden in Landsberg am Lech. Unglücklicherweise lag über dem Ammerseegebiet ein besonders feuchtes Luftpaket, das nun von dem Unwetter angezogen wurde. Eine weitere deutliche Intensivierung des Hagels war die Folge. Zu dieser Zeit näherte sich eine aus Rom kommende Lufthansamaschine den 12Km hoch reichenden Gewitterwolken. Die Besatzung wird aufgrund ihrer meteorologischen Kenntnisse Böses geahnt haben, als sie aus 120Km Entfernung dieses Foto schoss:
Die Unwetterwolken aus großer Entfernung.
Kurz vor acht wurde der Westen Münchens erreicht. Verschärfend wirkte sich nun aus, dass über der Stadt feuchte und 30 Grad warme Luft lag, die das inzwischen außergewöhnlich heftige Unwetter noch weiter verstärkte. Nun prasselte verbreitet Hagel auf München herab, der 5 bis 6 Zentimeter Durchmesser hatte! Das ist verheerend! Gewaltige Schäden entstanden, und für Menschen bestand höchste Gefahr!
Einzelne der gefallenen Hagelbrocken waren noch deutlich größer: 9,5cm sind bewiesen, und es gibt keinen ernsthaften Grund, daran zu zweifeln, dass Behauptungen stimmen, nach denen bis zu 14cm erreicht wurden! Solcher Hagel ist durchaus möglich, wenn er auch nur alle paar Jahrhunderte vorkommt! Er kann Vieh und Menschen töten!

Hinweis: Für mehr Infos über Hagel Foto anklicken!
Wie groß kann Hagel werden?

'Schneeschippen' mitten im Juli! Zwanzig bis dreißig Minuten dauerte dieser furchtbare Hagel, und vor allem im Osten von München, besonders in Trudering, verursachte er ungeheure Schäden! Hier kam es auch zu Wolkenbrüchen und orkanartigem Wind. Insgesamt peinigte das Unwetter die Stadt zweieinhalb Stunden lang. Es ließ Verwüstungen, Überflutungen und eine bis zu 20cm hohe Hagelschicht zurück, die erst am Morgen vollständig wegtaute - mitten im Hochsommer!

Bemerkenswert ist die enorm lange Zugstrecke des Münchener Hagelsturms: Sie liegt bei rund 300 Kilometern! Auch außerhalb dieses Unwetters, das mit abnehmendem Hagel, jedoch immer noch sehr heftigem Regen und Sturm, in Richtung Tschechien weiterzog, gab es an diesem Abend Hagelschläge. Betroffen waren vor allem - wie auch am 3. August 2001 - Bad Tölz und Miesbach, sowie das Gebiet um den Chiemsee, wo es bereits zehn Jahre zuvor zu einem außerordentlich schweren Hagelunwetter gekommen war. Zugbahnen der Unwetter vom 12.7.1984.
Der Münchener Hagelsturm von 1984 verletzte viele Hundert Menschen leicht oder schwer. Direkt durch den Hagel kam bemerkenswerter Weise niemand zu Tode, jedoch durch aufregungsbedingten Herzinfarkt und durch die späteren Aufräumarbeiten, deren Gefahrenpotenzial oft unterschätzt wird. Mit durch Versicherungen abgedeckten Schäden von 1,5 Milliarden DM und einer Gesamtschadenssumme von mehr als drei Millarden DM war dieses Unwetter die teuerste Naturkatastrophe, die Deutschland je getroffen hat!

Dieser Bericht entstand mit freundlicher Unterstützung der Münchener Rück.

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