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| Hagelkatastrophe in München und Umgebung am 12. Juli 1984 Ich war ein Augenzeuge. Damals lebte ich mit meiner Familie in einem Reihenhaus in Trudering am Stadtrand von München. Damals war es sehr schwül, doch uns machte das nichts aus. Wir hatten ein Pool im Garten und waren mehr im Wasser als sonst wo. Am Abend holte dann mein Bruder Eis von der Eisdiele für die ganze Familie. Das Unwetter zog schon ganz schwarz-orange auf und wir räumten vorsichtshalber Gartenmöbel auf die Seite. Meine Mutter war die Erste, die den Ernst der Lage erkannte. Sie sagte ihr gefiele das Wetter nicht und vermisste die Vögel. Ja, komisch, ich hatte auch das Gefühl das keine Vögel mehr im Garten waren. Auch unsere Katzen waren nicht dazu zu bewegen das Haus zu verlassen. Als mein Bruder von der Eisdiele zurück war, sagte meine Mutter wir sollten sofort ins Haus gehen. Sie ahnte nichts Gutes. Wir fanden das albern aber machten uns nichts daraus. Plötzlich fing es an zu hageln. Erst ein riesiger Brocken. Er schlug direkt auf unserer Terasse auf und ich bekam einen gewaltigen Schreck, denn er war im Vergleich zu anderen Hagelkörnern, die ich gesehen hatte, riesig. So ca. 6-7cm! Auf einmal fing es heftiger an. Ein dröhnendes Rauschen war zu hören und unser Pool kochte förmlich. Wir flüchteten alle auf den Balkon. Man konnte seinen Augen nicht trauen! Hagelkörner wo das Auge nur hinsah, und diese Größe - einfach unbeschreiblich! Wie versteinert standen wir auf dem Balkon und schauten dem Chaos zu. Plötzlich hörte ich ein Scheppern und Klirren. Ich rannte in mein Dachzimmer und mußte feststellen dass mein Fenster zu Bruch gegangen war. Außerdem war im Nebenzimmer das Flachfenster total zertrümmert gewesen. Ich wurde hysterisch und holte den Rest meiner Familie. Während wir versuchten das Fenster zu sichern hörten wir nur noch das Bersten der Dachschindeln. Das war schrecklich! Wir konnten nichts tun und alles war in Minuten kaputt! Die Schindeln flogen nur noch so durch die Gegend. Im Haus gegenüber mußten wir zusehen, wie ein komplettes Dach Biberschwänze auf einen nagelneuen Mercedes herabfiel. Bäume stürzten um und begruben alles unter sich was im Weg stand. Hecken wurden regelrecht zerfetzt genauso wie Gartenzäune. Fensterschäden überall. Nach dem Unwetter gingen wir vorsichtig auf die Straße. Keiner traute dem Wetter. Wir standen alle unter Schock. Meine Mutter weigerte sich das Haus zu verlassen. Mein Vater hatte eine Schreinerei in der Nähe von Riem, auch sie wurde in Mitleidenschaft gezogen. Wir teilten uns auf, die eine Hälfte der Familie sicherte das Elternhaus und die andere die Firma. Zuerst gingen wir auf die Straße und betrachteten das was noch übrig war. Es war gespenstisch. Auch jetzt hörte man keine Vögel mehr. Es war Totenstille. Ich suchte unsere Autos ab und fand unter unserem alten Lieferwagen einen Nachbarn von uns liegen. Er hatte sich unter unser Auto geschmissen, als die Front heranrollte. Ich zog den alten Mann dann unter unserem Auto hervor. Er war verstört und hatte mehrere Platzwunden. Als ich unsere Autos so abcheckte mußte ich feststellen, dass sie alle Totalschäden waren. Ein anderer Nachbar hatte eine Kopfplatzwunde. Alle Häuser in unserer Straße sind zerstört worden und nicht nur die, sondern alle in Trudering und Umgebung. Wir hatten keine einzige ganze Dachschindel mehr auf dem Dach. Im meinem Dachzimmer regnete es herein und ich stellte überall Eimer und Töpfe auf. Meine kleine Schwester zog aus dem Garten halbtote Vögel daher, die mal keinen Flügel und keine Beine mehr hatten. Tiere aus der Nachbarschaft wurden auch verletzt. Die Hasen in Nachbars Garten hatten einen riesen Schock und saßen Tage lang wie versteinert im Stall. Wir fingen dann dann an aufzuräumen. Zuerst wurde bei uns die Hauptsicherung im Haus herausgedreht. Wir wollten einem Kabelbrand vorbeugen. Alles stand unter Wasser und wir trauten dem Dach nicht. Auf der Straße kehrten wir dann den Unrat zusammen, denn unser Nachbar hatte schon beim Dachschindelwerk in Straubing angerufen und gleich mal einige Lastzüge Dachschindeln bestellt, welche dann am nächsten Tag bei uns in unserer Straße, standen. Wir säuberten also die Straße und machten die Zufahrten frei. Jeder der eine Motorsäge hatte war gefragt. Dachschindeln wurden auf die Seite geräumt. Dann begann das große Aufräumen. Und siehe da, jeder half jedem! Zum Abschluß gab es ein großes Straßenfest, wir feierten richtig. Die Jugend kroch auf den Dächern der Rentner herum und deckte diese kostenlos ein. Trotz alle dem möchte ich so etwas nicht mehr erleben und auch heute noch bekomme ich ein komisches Gefühl wenn es hagelt! Eingesandt am 7. März 2003 |
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