Das Grauen kam im Übermaß

Gesellschaftliche Zwänge, denen ich mich normalerweise erfolgreich entziehe, brachten mich am Rosenmontag 2009 in die schreckliche Lage, die große Kölner Karnevalssitzung live zu erleben. Eine Idee, auf die ich von alleine selbst nach zwei Flaschen Korn niemals kommen würde. Es war furchtbar! Wenn ich mich auch damit tröstete, nicht in Düsseldorf oder gar Münster gelandet zu sein, wo die Sache durchaus tötlich hätte enden können, so wünschte ich mir doch eine Fee herbei, die eine Folterbank als vergleichsweise gesunde Alternative möglich machte. Die kam aber nicht. Ich musste aushalten. Stundenlang. Die Redner, das Tätäätätäätätää, den Elferrat, das Publikum - eben das ganze Arsenal des Grauens. Es gab kein Erbarmen und keine Fluchtmöglichkeit. Eingeklemmt zwischen langen Tischreihen und massenhaft umgeben von schluckenden Hihahojetzsimmerallefrohtypen sehnte ich das baldige Ende der Veranstaltung herbei. Unglaublich aber wahr: Dieses Ende kam! Nach elend langer Wartezeit zwar, aber es kam! Ich lebte noch und fand mich tatsächlich bald in meinem geliebten Zuhause wieder!

Allerdings war ich arg verstört. Ich befürchtete, irreparable Dauerschäden erlitten zu haben und stürzte regelrecht auf unsere Hausapotheke zu. Die Tür riss ich dermaßen heftig auf, dass mir die einzige Medizin, die nun noch das Schlimmste verhindern konnte, entgegenfiel: "Fast wia im richtigen Leben - Die komplette Serie". Zweimal Heute haun wir auf die Pauke und zweimal Generalprobe geschaut, und es ging mir schon deutlich besser. Zur Stabilisierung schaute ich anschließend alle 5 DVDs, fühlte mit Professor Sonnblum, dachte: "Genau, wo ist denn eigentlich nochmal die Desirée-Beauty-Farm?", fragte mich, wo es wohl die Rettich-Schneidemaschine im Sonderangebot geben mag und beschloss, ein Hilfsprogramm auf die Beine zu stellen, durch das alle Afrikaner mit Guglhupf versorgt werden sollen.

Dann wachte ich auf.

Zunächst war ich sehr erleichtert, da ich besagte Sitzung nicht wirklich live erlebt hatte. Doch dann fuhr mir der Schreck durch die Knochen: Was, wenn ich eines Tages wirklich in eine solche Lage geraten würde und keine rettende Medizin im Hause hätte? Gleich machen die Geschäfte auf. Ich werde sofort losziehen, um "Fast wia im richtigen Leben" zu kaufen!

Es stimmt eben doch: Träume enthalten manchmal wichtige Botschaften! ;-)